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Energieinfrastruktur für mehr Leistung

Werk in Münster plant vierfach höhere Anschlussleistung: BASF Coatings baut Energieinfrastruktur aus

BASF Coatings erweitert am Standort Münster seine Energieinfrastruktur. Nach Angaben des Unternehmens haben Werkleiter Wolfram Schier und das Projektteam für Stromversorgung und Bautechnik die Bauarbeiten in der vergangenen Woche mit einem symbolischen Spatenstich gestartet. Das Vorhaben soll die Versorgungssicherheit erhöhen, den Anteil erneuerbarer Energien am Standort ausbauen und zugleich Kapazitäten für künftige Erweiterungen schaffen. Umgesetzt wird das Projekt in mehreren Bauphasen gemeinsam mit der Stadt Münster, den Stadtwerken Münster und den Stadtnetzen Münster.

Kern des Ausbaus ist eine neue Übergabestation

Im Mittelpunkt der ersten Phase steht der Austausch der bisherigen Einspeisestation durch eine größere Übergabestation. An dieser Schnittstelle übernimmt das Werk elektrische Energie vom öffentlichen Netzbetreiber und verteilt sie anschließend über die eigene Werksinfrastruktur weiter. Technisch ist das vor allem eine Kapazitäts- und Robustheitsmaßnahme: Je größer und leistungsfähiger die Übergabetechnik, desto besser lässt sich der Betrieb gegen Engpässe absichern – und desto mehr Spielraum entsteht, wenn Anlagen erweitert oder zusätzliche Verbraucher angeschlossen werden.

BASF Coatings verbindet diesen Punkt ausdrücklich mit Wachstumsperspektiven. Projektleiter Norbert Meyer wird in einer Unternehmensdarstellung mit den Worten zitiert, mit der Inbetriebnahme der neuen Station könne „bei Bedarf die verfügbare Leistung auf das Vierfache“ steigen; damit werde nicht nur der aktuelle Bedarf abgedeckt, sondern auch die Grundlage für mögliche Erweiterungen geschaffen. Konkret beziffert BASF Coatings die erhöhte Stromanschlusskapazität für Münster auf 40 Megawatt. Damit wird aus der abstrakten „Vierfach“-Aussage eine messbare Zielgröße für die Energieanbindung des Werks.

Photovoltaik und Batteriespeicher sollen Lastspitzen abfedern

Parallel zur Netzanbindung plant BASF Coatings Photovoltaikanlagen – unter anderem auf dem Dach der neuen Station sowie auf weiteren Gebäuden. Ergänzend sollen Batteriespeicher installiert werden, um überschüssige Energie aufzunehmen und bei Bedarf wieder bereitzustellen. Für einen Industriestandort ist diese Kombination vor allem dann relevant, wenn Erzeugung und Verbrauch zeitlich auseinanderlaufen: Solarstrom fällt tagsüber an, der Bedarf kann jedoch in andere Zeiten kippen. Speicher können solche Schwankungen glätten, Lastspitzen reduzieren und damit sowohl die Eigenstromnutzung erhöhen als auch die Abhängigkeit von kurzfristiger Netzleistung verringern.

Dass Speichertechnik in Münster über einzelne Unternehmensprojekte hinaus an Bedeutung gewinnt, zeigt ein regionales Vorhaben der Stadtwerke Münster: Gemeinsam mit VERBUND Energy4Business Germany ist im Hansa-Business-Park ein Großbatteriespeicher mit 16 Megawatt Leistung angekündigt. Ziel ist dort ausdrücklich mehr Netzflexibilität und eine bessere Integration erneuerbarer Energien – ein Signal dafür, dass die Region parallel an der Stabilität und Steuerbarkeit des Stromsystems arbeitet.

Standortstrategie: Ausbau, Versorgungssicherheit und Emissionsminderung

BASF Coatings stellt den Infrastrukturausbau in Münster in einen doppelten Zusammenhang. Werkleiter Wolfram Schier betont einerseits die wirtschaftliche Perspektive: Die Maßnahmen stärkten die Leistungsfähigkeit und schafften die Voraussetzungen für weiteres Wachstum am Standort. Andererseits verknüpft er das Projekt mit Klimazielen und bezeichnet es als wichtigen Schritt zur Reduzierung von Emissionen.

Entscheidend wird dabei sein, wie stark die zusätzlichen Kapazitäten tatsächlich mit erneuerbaren Quellen und effizienterer Nutzung unterlegt werden: Photovoltaik und Speicher erhöhen die Flexibilität innerhalb des Werks, während eine stärkere Netzanbindung vor allem die Versorgung absichert und Erweiterungen ermöglicht. Weitere Schritte – etwa die verstärkte Nutzung „grüner Wärme“ sowie zusätzlicher Ausbau öffentlicher Infrastruktur – befinden sich nach Unternehmensangaben noch in der Planung.

Für Münster ist das Projekt auch deshalb bemerkenswert, weil hier industrielle Anforderungen, kommunale Energieakteure und Infrastrukturplanung zusammenlaufen. Der Umbau am BASF-Standort zeigt, wie sich Versorgungssicherheit und Transformation in der Praxis oft gleichzeitig organisieren müssen: durch mehr Netzleistung, durch eigene Erzeugung und durch Speicher – und in Etappen, deren Wirkung sich erst mit dem Fortschritt der Bauphasen vollständig bewerten lässt.

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