Featured image for news: Grenzüberschreitende Kooperation im Fokus
4 Min. Lesezeit

Grenzüberschreitende Kooperation im Fokus

MONT-Städte setzen auf neue Impulse für Europas Zukunft

Im grenzüberschreitenden Städtenetzwerk MONT hat Münster den Vorsitz an Hengelo übergeben. Beim Treffen in Münster ging es nicht nur um die formale Staffelübergabe, sondern um konkrete Vorhaben – von der Bewerbung um den Titel „European Youth Capital 2029“ bis zu Fragen der Stadtentwicklung am Hafen.

Zum Verbund MONT gehören Münster, Osnabrück und die Region Twente mit Enschede, Hengelo und Almelo. Die Kooperation soll die deutsch-niederländische Grenzregion als Innovations- und Wissensraum in Europa positionieren und die Zusammenarbeit etwa bei Klimaschutz und zukunftsfähiger Mobilität voranbringen.

Der Vorsitz wechselt, die Agenda bleibt pragmatisch

Der Wechsel an der Spitze ist vor allem ein Signal der Kontinuität: MONT setzt auf verlässliche Abstimmung über die Grenze hinweg – und auf Projekte, an denen sich der Anspruch messen lassen muss. Als Sprecher wurde Fuchs zitiert: „Im Städtenetzwerk MONT bringt jede Stadt ihre eigenen Stärken, Perspektiven und Herausforderungen ein. Aus diesem vertrauensvollen Austausch entstehen gemeinsame Antworten auf die großen Zukunftsfragen – über Grenzen hinweg und im gegenseitigen Lernen.“

Mit Blick auf die Übergabe an Hengelo ergänzte Fuchs: „Mit der Übergabe des Vorsitzes an Hengelo führen wir diesen europäischen Weg gemeinschaftlich fort. Ich freue mich auf neue Impulse unserer niederländischen Partner.“

Inhaltlich passt das zu der strategischen Ausrichtung, die MONT in den vergangenen Jahren geschärft hat: Die „Strategie 2030“ wurde weiter konkretisiert und um Klimaschutz sowie den Umgang mit Klimafolgen erweitert. Entscheidend ist dabei weniger das Papier als der Nutzen im Alltag: gemeinsame Standards, schnellere Abstimmungen und eine Art „Kurzschluss“ zwischen Verwaltungen, wenn es um Mobilität, nachhaltige Entwicklung oder regionale Innovationsprojekte geht.

European Youth Capital 2029: Sichtbarkeit als Standortfaktor

Ein zentraler Punkt des Treffens war die gemeinsame Bewerbung um den Titel „European Youth Capital 2029“. Daran zeigt sich, dass MONT die Zusammenarbeit nicht auf Verwaltungskontakte begrenzen will, sondern ein sichtbares europäisches Projekt als Klammer nutzt. Beteiligt war auch die EUREGIO, ein grenzüberschreitender Kommunalverband, der nach eigenen Angaben 128 Kommunen und Waterschappen im deutsch-niederländischen Grenzraum umfasst.

Die Bewerbung der EUREGIO wurde nach Angaben des Verbands in die Shortlist für 2029 aufgenommen. Für die Region ist das kein klassisches Investitionsvorhaben – aber Standortpolitik mit anderer Logik: Wer im europäischen Wettbewerb wahrgenommen werden will, muss Netzwerke, Talente und Beteiligung sichtbar machen. Eine solche Kandidatur kann genau dort ansetzen, wo Grenzregionen oft Defizite haben: bei Reichweite, Identität und der Frage, ob junge Menschen die grenzüberschreitenden Angebote als zusammenhängenden Lebensraum erleben.

Mobilität als Prüfstein der Kooperation

Ob aus Strategie und Symbolik belastbare Strukturen werden, entscheidet sich besonders an der Mobilität. Mit „MONT Mobility“ verfolgen die beteiligten Städte ein grenzüberschreitendes Vorhaben, das die Erreichbarkeit verbessern und nachhaltige Verkehrsplanung zwischen den Kommunen stärker verzahnen soll.

Das Projekt wird unter anderem mit EFRE-Mitteln sowie Kofinanzierungen aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und der Provinz Overijssel unterstützt. Für die Praxis heißt das: Wenn Planungslogiken, Daten und Prioritäten besser zusammenpassen, können Pendelverkehre, Umstiege und die Planung neuer Verbindungen schneller und konsistenter werden – ein spürbarer Nutzen, der über politische Absichtserklärungen hinausgeht.

Der Hafen in Münster: Stadtentwicklung als gemeinsames Lernfeld

Neben den europäischen Projekten rückte in Münster ein zweites Thema in den Mittelpunkt: die Transformation des Hafenareals. Die Delegationen befassten sich mit dem Wandel vom Industriegebiet zu einem Wohn-, Arbeits- und Freizeitquartier. Bei einem Rundgang verschafften sich die Gäste einen Eindruck von der auf der Südseite entstehenden Flaniermeile; besonderes Interesse galt den im Dialog mit der Stadtgesellschaft entwickelten Planungen für Modellquartiere rund um den Dortmund-Ems-Kanal.

Gerade dieser Programmpunkt zeigt, wie MONT praktisch arbeitet: Stadtentwicklung wird zum gemeinsamen Lernfeld, weil viele Kommunen vor ähnlichen Zielkonflikten stehen – Flächendruck, Klimaanpassung, Verkehr, Aufenthaltsqualität und die Verbindung von Arbeiten, Wohnen und Freizeit. In Münster hat für die Umgestaltung der Südseite des Stadthafens 1 zwischen Hafenplatz und Dortmund-Ems-Kanal nach Angaben der Stadt der erste Spatenstich am 20. August 2024 stattgefunden; vorgesehen ist eine durchgehende, barrierefreie Promenade am Wasser, während Gleise und Kräne als Zeugnisse der Hafengeschichte erhalten bleiben sollen.

Was der Vorsitzwechsel politisch bedeutet

Mit dem Vorsitzwechsel nach Hengelo setzt MONT seine Arbeit ohne erkennbaren Kurswechsel fort. Der Maßstab bleibt: Gelingt es, aus Projekten wie der Jugendhauptstadt-Bewerbung, der Mobilitätskooperation und konkreten Stadtentwicklungsbeispielen dauerhaft belastbare grenzüberschreitende Strukturen zu formen? Wenn das gelingt, wird aus dem Netzwerk mehr als ein politisches Bekenntnis – nämlich ein Instrument, das regionale Lösungen schneller macht und der Grenzregion in Europa tatsächlich mehr Gewicht verschafft.

Häufig gestellte Fragen

Veröffentlicht: